Musikschule und Konzertsaal
Ventspils / Lettland

2014 – 2019

In der lettischen Kultur spielt Musik eine übergeordnete gesellschaftliche Rolle. Die neue Musikschule in Ventspils an der Ostsee wird für die gesamte Region ein bedeutendes Zentrum werden.

Das Gebäude liegt am Lielais Laukums, einem wichtigen Treffpunkt städtischen Lebens. Die Grünanlagen, das Wasserspiel und der großzügige Platz geben der neuen Musikschule einen angemessenen Auftakt.

Durch die gefaltete Dachlandschaft entsteht eine unverwechselbare Identität. Das Dach ist Landmarke und Schutz für die Innen- und Außenräume gegen das harsche Wetter zugleich. Neben einem 600 Sitzplätze fassenden, klassischen Konzertsaal bietet die Musikschule einen kleineren Theater Saal, eine Musikbibliothek und eine Außenbühne. Das Raumerlebnis wird geprägt durch den Kontrast freigeformter Foyerflächen, welche sich um die rechtwinkligen Funktionsbereiche spannen. Balkone und Terrassen verbinden die Innenräume mit dem Grünraum des Parks.

Orgel

Basierend auf einem Orgeltypus deutschen Ursprungs wurde in enger Abstimmung zwischen Iveta Apkalna und Orgelbau Klais ein Konzept entwickelt, welches für diese Ausbildungsstätte in Ventspils ein möglichst breit angelegtes Spektrum an Orgelliteratur in der Darstellung ermöglicht.

Ganz bewusst wurde auf ein französisch inspiriertes Konzept mit hinterständigem Recit und differenzierten Winddrücken für Bass und Diskant im Hinblick auf die sehr trockene Raumakustik und die Möglichkeit zur Darstellung von Musik unterschiedlicher Kulturkreise verzichtet. Das Konzept basiert auf einem aus dem deutschen Barock weiterentwickelten Grundbestand, welches die Darstellung einer breiten Musiziertradition ermöglicht ohne zu stark in einer Richtung einzuschränken. Das grundsätzlich zweimanualige Konzept unterteilt in Hauptwerk und Schwellwerk (Schwellwerk deutscher Tradition als dynamisiertes Oberwerk) wurde um Stimmen erweitert, welche es durch eine Einzeltonsteuerung ermöglichen, Farbkombinationen ohne Einschränkung direkt anzusteuern. Somit kann auf festlegende Koppeln oder Ähnliches verzichtet werden.

Die Anlage der Orgel sieht daher die Platzierung von Hauptwerk und Schwellwerk (weiterentwickeltes Oberwerk) im Zentrum der Orgel vertikal übereinander angeordnet mit optimal kurzen mechanischen Trakturen vor, welches von den auf Einzeltonladen stehenden Klangerweiterungen eingerahmt wird. Auf der Ebene des Spieltisches sind neben den tiefen Pfeifen des Großpedals und den beiden mechanischen Traktursträngen für Hauptwerk und Schwellwerk die großzügigen Doppelfaltenbälge für die Manualwerke und die Einzeltonladen angeordnet. In einem Raum unmittelbar unter der Orgelkammer findet das Gebläse und der große Hauptmagazinbalg seinen Raum.

Das Schwellwerk erhält Schwelltüren nach vorne sowie zu den Seiten, wobei letztere Türen nach hinten öffnen, um bei Bewegung eine indirekte Klangentfaltung und Klangtiefe zu gewährleisten. Gleichzeitig wird durch die gewählte Anordnung des Schwellwerkes in Verbindung mit der Vielzahl von Schwellöffnungen eine optimale Abstrahlung der Feincharakteristik der Schwellwerksstimmen möglich.

Das erarbeitete Konzept ist darauf ausgerichtet, basierend auf einem klaren zweimanualigen klassischen Grundbestand im Hinblick auf den zur Verfügung stehenden Raum und die Aufgabenstellung als Schulinstrument einen Lösungsansatz zu präsentieren, der auf den Traditionen der Vergangenheit basiert und gleichzeitig Möglichkeiten bietet, die musikalische Zukunft zu gestalten. Hier bietet insbesondere die Einzeltonsteuerung, die Möglichkeiten der differenzierten Teiltonstimmen und die Winddynamiksteuerungen sowie die über das Sinua System möglichen Anspracheverzögerungen eine Vielzahl von Möglichkeiten, die gerade in jüngster Zeit zeitgenössische Komponisten zu neuen Arbeiten für die Orgel inspirieren.

Short Facts

Bauherr

Stadt Ventspils

Planungsteam

Local Partner Architect
Studio MSV – Riga / Lettland

Structural Engineer
Schlaich, Bergermann & Partner – Stuttgart
SIA BKB – Riga / Lettland

Acoustician
Müller BBM – München

Organ Designer / Builder
Johannes Klais Orgelbau – Bonn

Organ Consultant
Iveta Apkalna – Berlin & Riga / Lettland

Climate / Energy / Mechanical Services
Transsolar Klimaengineering – Stuttgart
SIA Friteks – Riga / Lettland

Energy Consultant / Building Physics
SIA Arche – Riga / Lettland

Electrical Engineering
SIA FIMA / SIA KELLME – Riga / Lettland

Architectural Lighting
LDE Belzner Holmes – Stuttgart

Stage Engineering
DTP Theaterbühnentechnik – Dresden

Stage Lighting / Sound
SIA Audio AE – Riga / Lettland

Fire Engineering
SIA Glamma – Riga / Lettland

Water / Drainage Engineering
SIA IP – Ventspils / Lettland

Cost Consultant
SIA Northproject – Riga / Lettland

Photography
Oskars Jura, STUDIO 555 - Ventspils / Lettland

Planung

Revised Scheme Design / 2014 – 2015
Technical Project / 2015
Bauzeit / 2017 – 2019
Fertigstellung / Frühling 2019
Eröffnung / Sommer 2019

Fläche

Bruttogeschossfläche (BGF)
ca. 8.000 m2 BGF

Bruttorauminhalt (BRI)
ca. 32.000 m2 BGF

Geschosse
Obergeschosse 3

"high-tech from nature“

Wool, Fired Earth and Stone
Der Stoff für die Zuschauerplätze ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen haascookzemmrich STUDIO2050 und der Rohi Stoffe GmbH. Das Unternehmen „Rohi“ ist für die innovative Verwendung von Wolle bekannt und bringt die Eigenschaften des natürliches Materials durch eine Reihe von Veredelungstechniken in den Vordergrund.

Eine Kombination aus dem farbenfrohen, quadratischen Muster und den Schnitttechniken verleiht der Haupthalle eine einzigartige Erscheinung. Die Farben verändern sich allmählich von Rot und Orange neben der Bühne zu Blau und Violett im hinteren Teil des Raums. Ähnlich werden sich die Farben von der Mitte der Halle nach außen zu den Seitenwänden hin verändern und ergänzen hiermit die Holzverkleidung. Die Vielfalt der Farben des maßgeschneiderten Stoffes werden durch die Verwendung natürlicher Gerbstoffe erreicht; das Gewebe wird nach den höchsten Umweltstandards hergestellt.

Für die Fassade werden stark profilierte Keramikplatten verwendet, die einen hocheffizienten Wetterschutz anbieten. Das Erscheinungsbild der Fassade verändert sich durch die Kombination der Plattenorientierung, Belichtung, Profilform und der dunkelfarbigen Glasur. Ein Kontrast zur Fassade wird durch das markante goldene Dach erzeugt.

Das Team

David Cook

Partner Freier Architekt, BA (hons), Dip. Arch (dist), RIBA, BDA

Als Projektpartner bei Behnisch Architekten war David Cook von 1995-2005 verantwortlich für das Harbourside Center (Konzert- und Tanztheater) in Bristol, Großbritannien, das Dänische Nationalarchiv (NPAC) in Kopenhagen, Dänemark, sowie für das Terrence Donnelly Center für zelluläre und biomolekulare Forschung (TDDCBR) an der Universität von Toronto, Kanada. Als Partner bei Behnisch Architekten zwischen 2005-2012 war David Cook verantwortlich für die Hilde-Domin-Schule in Herrenberg, das Nationalzentrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg, die Schwetzinger-Terrasse-Kindertagesstätte in Heidelberg, sowie für das Gebäude des Hauptsitzes King Abdullah Financial District (KAFD) in Riyadh, Saudi-Arabien. Er hat an einer Vielzahl von Campus- / Masterplaning-Projekten gearbeitet, darunter UC Dublin, Irland und der Sanierung des Lower Don in Toronto, Kanada. David Cook war auch Co-Kurator der sehr erfolgreichen Wanderausstellung "Ökologie, Design, Synergie" durch Deutschland.

Nach 6 Jahren der Partnerschaft gründet Cook, zusammen mit Martin Haas und Stephan Zemmrich, im April 2012 sein eigenes Büro „haascookzemmrich STUDIO2050“ mit Projekten im In- und Ausland.

David Cook war Belluschi-Gastprofessor für Architektur an der Universität von Oregon, USA. Er pflegt weiterhin eine enge Beziehung zu der Universität und kehrt regelmäßig für Gastvorträge an die Universität zurück.

Auszüge: Projekte

Bristol Harbourside Centre

Bristol Harbourside Centre

David Cook als Projektpartner bei Behnisch Architekten von 1993-1996
Danish National and Provincial Archives, Copenhagen

Danish National and Provincial Archives, Copenhagen

David Cook als Projektpartner bei Behnisch Architekten von 1996-2000
Terrence Donnelly Center for Cellular and Biomolecular Research (TDCCBR), Toronto

Terrence Donnelly Center for Cellular and Biomolecular Research (TDCCBR), Toronto

David Cook als Partner in Behnisch Architekten
Hilde-Domin-Schule, Herrenberg

Hilde-Domin-Schule, Herrenberg

David Cook als Partner in Behnisch Architekten
Institut für Technische Physik (ITEP), KIT, Karlsruhe

Institut für Technische Physik (ITEP), KIT, Karlsruhe

David Cook als Partner in Behnisch Architekten
National Zentrum für Tumorerkrankungen (NCT), Heidelberg

National Zentrum für Tumorerkrankungen (NCT), Heidelberg

David Cook als Partner in Behnisch Architekten

David Correa

Dino Chai

Erik Martinez

Eva Engele

Felix Beck

Hanxiao Liu

Han hat an der University of British Columbia in Vancouver (Canada) mit Major in Mechanical Engineering studiert. Sein Master in Architecture und dem Certificate in Landscape Studies hat er an der University of Pennsylvania in Philadelphia (USA) erworben. Während und nach seinem Studium war Han in mehreren Büros in Canada, den USA und China tätig. Unter anderem arbeitete er bei Environmental Control and Safety Engineering in Burnaby, Canada, MCW Consultants (Vancouver), ABB Robotics Division (Shanghai), sowie SOM in New York, USA. Han hat den angesehenen Arthur Spayed Brooke Memorial Award erworben.

Seit 2012 arbeitet Han als Architekt und Projektleiter für haascookzemmrichSTUDIO2050. Zu seinem bisherigen Tätigkeiten zählt die Mitarbeit an Wettbewerben (u.a. Guggenheim Museum in Helsinki, Deutsches Pavilion für die Expo in Mailand, Italien, Mercedes-Benz Campus in Stuttgart, sowie Smichov Residential Area in Prag) und an folgenden Projekten: Fragrant Hill Residences in Beijing, China; Global Geometry Office, Hamburg; Musikschule und Konzertsaal in Ventspils, Lettland, sowie TenON 5 Stadtquartier in Mannheim.

Seit 2017 ist Han für unsere Niederlassung in Shanghai verantwortlich.

Michael Kapeller

Paul Lipan-Weber

Sabine Vecvagare

Freie Architekten PartG mbB

Gymnasiumstraße 52
70174 Stuttgart

Telefon: +49 711 22936260
Fax: +49 711 22936273
www.haascookzemmrich.com
info@haascookzemmrich.com

4th Floor, Number 1
Lane 299, Fu Xing West Road
200031 Shanghai
P. R China

Telefon: +86 138 1396 0504
www.haascookzemmrich.com
han@haascookzemmrich.com